Die Kelten, Germanen und die Römer...

Die Kelten und germanischen Stämme züchteten große Hunde, die besonders schwer und kräftig waren. Neben der Verteidigung von Hab und Gut dienten sie zur Jagd auf Bären und Wildschweine. Im Alten Rom traten Bullenbeißer-Hunde in den Arenen auf, wo sie gegen Löwen, Bären, Elefanten und daher der Name "Bullenbeißer" kämpften. Diese Hunde kamen überwiegend aus Großbritannien, das damals von den Römern besetzt war. Die römischen Eroberer lernten dort diese Hunde kennen, die noch tapferer zu sein schienen als ihre eigenen Hunde zu Hause, die Molosser. Römische Dokumente berichten enthusiastisch über diese englischen Fighting Dogs Kampfhunde, die in der Lage wären, einem voll ausgewachsenen Bullen das Genick zu brechen.

Im Mittelalter...

Mit der Zeit entwickelten sich aus ihnen verschiedene Typen. Man nimmt an, dass der Boxer seinen Ursprung in den im Mittelalter bekannten Bullenbeißern hat. Der Grosse Bullenbeißer, auch Danziger Bullenbeißer genannt, wurde als schwerer Hetzhund und Packer im Norden Deutschlands und in Polen für die Jagd auf Bär, Elch, Eber und Hirsch eingesetzt. Er ist seit 1783 nicht mehr erwähnt. Ab Beginn des 17. Jahrhunderts erfolgte in Deutschland die Züchtung eines leichteren und flinkeren Bullenbeißers - des nicht minder draufgängerischen Brabanter Bullenbeißers. Er war mittelgroß, hatte eine breite Brust und einen kurzen dicken Kopf, eine „kurz aufgeworfene Nase“, kupierte Ohren und Vorbiss. Ihre Farbe war meistens „gelblich oder braunstreifig“ (also gestromt) und „schwarz um das Maul“.  Er kam in den waldreichen Gebieten am nördlichen Rand der Alpen zum Einsatz. Durch seine geringe Größe war er wendiger und daher besser für die Jagd von Wildschweinen geeignet. Aufgabe war es, das von den Hetzhunden getriebene Wild zu packen und festzuhalten, bis der Jäger kam und die Beute erlegte. Mit der französischen Revolution, der Auflösung der deutschen Fürstentümer und dem Aufkommen neuer Jagdmethoden (Schusswaffen), wurde dieser arbeitslos oder hatte Gelegenheitsjobs als Wachhund. Als Helfer der Metzger beim Viehtreiben wurde eine neue Verwendung der Bullenbeißer gefunden. Diese neue Aufgabe bewahrte ihn vor dem Aussterben.

Im 19. Jahrhundert...

Der kleine Bullenbeißer wurde in kleinen Beständen als Haushund weiter gezüchtet. Er wurde neben artgleichen Rüden auch mit der 1830 nach Deutschland gekommenen englischen Bulldogge gekreuzt. Diese brachte einerseits den heute erwünschten Boxertyp, anderseits aber auch als - unerwünschtes Erbe dieser Verpaarungen - die Weißen und Hasenscharten. Um die Mitte und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fristete der Boxer als Nachfolger des Bullenbeißers ein kümmerliches Dasein. Er war Außenseiter unter den vorhandenen Rassen. Um 1860 wird erstmals für diese Kreuzungen der Name Boxer verwandt. Die Statur des damaligen „Boxers" ließ sich am ehesten mit der des Bostonterriers vergleichen.
Diese beiden Rassen waren sich zur damaligen Zeit in Größe, Farbe und Gestalt sehr ähnlich.

1894 zog der gebürtige Wiener Friedrich Roberth, ein damals schon bekannter Kynologe, von Norddeutschland nach München. (Bild: Roberth und sein Boxer 1894). Roberth, der längere Zeit in der deutschen Kolonialarmee in Afrika diente, befasste sich seinerzeit mit der Zucht und Ausbildung von Kriegs- und Meldehunden. Ihm schlossen sich Elard König und Rudolf Hoepner an. Mit Erfolg züchteten und bildeten sie Airedaleterrier aus. Sehr schnell genügten Roberth diese Erfolge nicht mehr; er war auf der Suche nach einem Hund, der die geforderten Eigenschaften besser erfüllen sollte und stieß so auf die Bulldog- und Boxerbastarde, die oft spöttisch als „Bierboxer" tituliert wurden.
Seine Vision war es, zusammen mit Hoepner und König eine Hunderasse zu festigen, die gute Gebrauchshundeigenschaften für den Kriegseinsatz mitbrachte.


Der regen Werbetätigkeit von F. Roberth war es zu verdanken, daß 1895 in einer Ausstellung des St. Bernhard-Klubs eine Versuchsklasse für Boxer eingerichtet wurde.Einziger gemeldeter Hund war: Mühlbauers Flocki (Bild links), ein Sohn von Bulldog „Dr. Toenniessens Tom" und einer Boxerhündin „Alts Scheckin". Flocki und Meta von der Passage bezeichnet man heutzutage als Stammeltern aller Boxer.


Im Jahre 1896, ein Jahr nach dem zum ersten Mal ein Boxer offiziell auf einer Ausstellung gezeigt und gerichtet wurde, veranstaltete der 1895 gegründete Boxer-Klub ohne große Werbemöglichkeiten im Hof eines Klubmitgliedes die erste eigene Ausstellung. Wider Erwarten wurden außer zahlenden Zuschauern auch viele Boxerbesitzer und deren Hunde angezogen. Nach den Worten des damaligen Vorsitzenden Rudolf Hoepner ließen die Hunde jede Einheitlichkeit in den Zuchtzielen vermissen, aber boten doch ein sehr hoffnungsreiches Bild für die Zukunft. Wie schwer es aber war, einen einheitlichen Standard aufzustellen, ohne den keine Tierzucht möglich ist, zeigt die Ausstellung München 1896, bei der 50 Boxer in drei Gewichtsklassen akzeptiert wurden.

Gruppe von Boxern auf der ersten Ausstellung 1895

Im 20. Jahrhundert...

1904 wurden im ersten Zuchtbuch (Nr 1 – 211) 36 Zwingernamen erwähnt, 1907 wurden im zweiten Zuchtbuch (Nr. 212 bis 620) bereits 136 Zwingernamen aufgeführt. 1904 wurde der erste Standard aufgestellt und ein Jahr später, insbesondere den Kopf betreffend, noch mal geändert. Es wurden die Rassekennzeichen neu formuliert, welche abgesehen von geringfügigen Änderungen im Jahre 1920, bis auf den heutigen Tag Gültigkeit haben.

Es dauerte Generationen, bis in den dreißiger Jahren durch die heute weltbekannte Kynologin Friederun Stockmann der bedeutendste Höhepunkt in der Geschichte des Deutschen Boxers in seiner vollendeten Form erreicht wurde. Im Jahre 1911 erwarb sie ihren ersten Boxer und ließ diesen unter der Zuchtbuchnummer 1521 für eine Gebühr von 2 Mark als Pluto vom Dom bei der Geschäftsstelle des Boxer-Klub in München eintragen. Der Ursprung des Namens “vom Dom” rührt daher, dass sich Pluto bei Raufereien und Katzenjagen im Bereich des Mainzer Doms nicht unbedingt viel Ruhm und Ehre erworben hatte. Nach Beendigung ihrer Studienzeit in München und der Heirat mit Philipp Stockmann, begann sie in Fürstenfeldbruck mit der ersten Hündin Laska die Boxerzucht, die Weltruhm erreichen sollte. Der Boxer "Lustig vom Dom" (Besitzerin: Friederun Stockmann) gilt heute als Urvater vieler Boxer. Viele der Boxer von Frau Stockmann wurden während der Weltkriege an der Front eingesetzt. Der Mut der Hunde und die Treue zu ihren Hundeführern kostete fast allen Boxern das Leben. Daher war Friederun Stockmann sehr bemüht, ihre besten Hunde vor den Militärs zu schützen, sie zu verstecken und eventuell auch auszutauschen.

Lustig vom Dom, Sohn von Zorn, hatte 43 Würfe in Deutschland mit nur einem Einhoder. Seine Nachzucht bestimmte die Zucht in ganz Deutschland. Er ging nach Amerika. Einige seiner hervorragenden Nachkommen waren Bastel und Buten v. Elbufer, Kyrras v.d. Blütenau, Droll v. Taubenhäusel, Danilo v. Königssee und Zünftig v. Dom.

1924 erfolgte die Anerkennung der Boxer als erste Diensthunderasse in Deutschland. Die Boxer vom Dom brachten die Boxerrasse auf ihren Siegeszug um die ganze Welt, so daß sie heute zu den beliebtesten Hunderassen gehört.

Friederun Stockmann (Bild links) schrieb in ihrem Buch "Mein Leben mit Boxern": "Der Boxer ist der Gentleman unter den kurzhaarigen Hunden. Er will nicht nur die beste Speise, er will auch in einer zivilisierten Weise behandelt werden. Er kann leicht durch seinen Herrn in Unordnung gebracht werden und verträgt keine Ungerechtigkeit und keine harte Hand. Es ist wahr, dass er schweinsköpfig ist und dass jeder seine eigene Persönlichkeit hat.
 Er ist der ideale Haus- und Familienhund und ein wirklicher Freund der Kinder."

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